Nach Weihnachten war ich noch auf einem Weihnachtsmarkt in Köln, der überraschend noch geöffnet hatte. In den letzten Jahren habe ich solche Märkte nur selten besucht: mal fehlte mir die Energie, mal die Lust auf Menschenmassen.
Während ich über den Markt schlenderte, fiel mir auf, wie viele Fressbuden es mittlerweile gibt. Und keine einzige, bei der ich etwas sicher glutenfreies bekommen hätte. Normalerweise blende ich das aus. Aber diesmal schaute ich genauer hin – und spürte, wie eine leise Traurigkeit in mir aufstieg.
Um mich herum standen Menschen, aßen, lachten, freuten sich. Und ich stand da und fühlte mich wie ein Alien. Ich gehörte nicht dazu. Ich konnte mir nicht einfach etwas Leckeres kaufen und es unbeschwert genießen.
Eigentlich komme ich gut mit meiner Zöliakie klar. Aber das war einer dieser Momente, in denen mich die Gefühle übermannten: Enttäuschung, Traurigkeit, ein bisschen Wut. Und ja – auch Neid. Warum können alle etwas essen, nur ich nicht?
Und dann meldete sich diese Stimme im Kopf. Die einer nicht besonders emphatischen Bekannten, die mir einmal sagte, ich solle mir doch einfach etwas mitnehmen. Natürlich habe ich immer einen Riegel in der Tasche. Aber es ist das eine, etwas zu essen dabeizuhaben – und etwas völlig anderes, anderen beim unbeschwerten Genießen von Weihnachtsmarkt-Leckereien zuzusehen.
“Ich habe diese Trauer bewusst zugelassen. Denn wenn ich sie verdränge, kommt sie beim nächsten Mal nur umso heftiger zurück.” Wird zu: “Ich habe diese Trauer einfach zugelassen. Manchmal hilft das. Manchmal auch nicht.”
Und wegen dieser und ähnlicher Momente – dieser leisen Brüche, die Menschen mit Allergien, Intoleranzen oder Zöliakie nur zu gut kennen – schreibe ich gerade an diesem Buch. Nicht, um sie zu reparieren. Sondern um ihnen einen Platz zu geben.
