Während ich diesen Newsletter schreibe, liegen vor mir Stoffbeutel mit Weihnachtsgeschenken, die ich seit Anfang November sammle. Mein Kalender zeigt deutlich markierte Ruhetage nach den Weihnachtsmärkten am 6./7. und 20./21. Dezember auf Burg Dattenfeld, wo ich mit meinen Büchern stehen werde. Und ich habe bereits mit meiner Familie geklärt, dass wir auch dieses Jahr nur den 24. Dezember gemeinsam feiern – nicht mehr, nicht weniger.
Das klingt vielleicht nach viel Organisation für „nur“ Weihnachten. Aber genau diese Vorausplanung ist es, die mir ermöglicht, die Feiertage zu genießen, statt erschöpft ins neue Jahr zu rutschen.
🎄 Warum Weihnachten für uns besonders herausfordernd ist
Gerade für uns mit chronischen Erkrankungen ist die Weihnachtszeit wie ein Marathon, für den wir nie trainiert haben. Da sind:
- Die Erwartungen (von uns selbst, von der Familie, von der Gesellschaft)
- Die zusätzlichen Aktivitäten (Weihnachtsmärkte, Feiern, Besuche)
- Der emotionale Druck („Du musst doch fröhlich sein!“)
- Die kulinarischen Herausforderungen (besonders mit Zöliakie und Allergien)
- Die Energie-Achterbahn zwischen Vorfreude und Erschöpfung
Kein Wunder, dass viele von uns den Januar damit verbringen, sich von Weihnachten zu erholen.
Aber das muss nicht sein.

🗓️ Die Kunst der Vorausplanung
Ich habe vor Jahren aufgehört, Weihnachten „spontan“ anzugehen. Stattdessen plane ich seit Oktober:
Geschenke frühzeitig organisieren Seit Anfang November kaufe ich nach und nach Geschenke – oder bereite sie vor, denn ich mache wieder einiges selbst. Das verteilt nicht nur die Kosten, sondern vor allem die Energie. Kein Gedränge in überfüllten Geschäften kurz vor Weihnachten, kein Last-Minute-Stress.

Strategische Ruhetage einplanen Mein Kalender für Dezember sieht strategisch aus: Nach meinen Weihnachtsmarkt-Ständen am 6./7. und 20./21. Dezember plane ich bewusst nichts für den 22. und 23. Dezember. Auch der 25. ist bei mir ein Ruhetag. Das ist klassisches Pacing – nur eben auf die Weihnachtszeit angewendet.
Traditionen hinterfragen Wer sagt eigentlich, dass wir an allen drei Weihnachtstagen Besuchsmarathon machen müssen? Wir haben uns vor Jahren entschieden, nur den 24. Dezember in der Familie zu verbringen. Das war keine leichte Entscheidung, aber eine befreiende.
✨ Offene Kommunikation: Dein wichtigstes Werkzeug
Das muss ich sowieso machen – wegen meiner Zöliakie und Allergien. Aber ich habe gelernt, dass offene Kommunikation über alle meine Grenzen der Schlüssel zu entspannten Feiertagen ist.
Was ich kommuniziere:
⭐ „Ich kann nur zwei Stunden bleiben, dann brauche ich eine Pause.“
⭐ „Ich kann nicht zum Essen bleiben, aber ich komme gerne auf einen Kaffee vorbei.“
⭐ „Dieses Jahr schaffe ich nur den 24. – lasst uns den gemütlich machen!“
⭐ „Ich bringe mein eigenes Essen mit, damit es für euch stressfrei ist.“
Die meisten Menschen sind viel verständnisvoller, als wir denken. Und die, die es nicht sind? Nun, das ist eher ihr Problem als unseres.
🎁 Erwartungen managen – auch die eigenen
Der größte Stressfaktor zu Weihnachten sind oft nicht die anderen, sondern unsere eigenen Erwartungen. Wir wollen:
- Das perfekte Essen kochen
- Die schönsten Geschenke machen
- Alle glücklich machen
- Selbst fröhlich und energiegeladen sein
Das ist toxische Positivität in Weihnachtsgewand.
Echter Optimismus zu Weihnachten bedeutet: „Ich mache, was ich kann, und das ist genug.“ Manchmal ist das ein selbstgemachtes Geschenk. Manchmal ist es ein gekauftes. Manchmal ist es einfach nur da sein – auch wenn ich müde bin.
🕯️ Mini-Auszeiten: Deine Anker in der Weihnachtszeit
Erinnerst du dich an unseren Newsletter über Anker für die Seele? Gerade zu Weihnachten brauchst du diese Anker mehr denn je:
Morgens: 5 Minuten mit deiner Lieblingstasse am Fenster, bevor der Tag beginnt
Zwischen Terminen: Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft oder 10 Minuten mit geschlossenen Augen
Abends: Ein kleines Ritual nur für dich – sei es Journaling, ein paar Seiten lesen oder einfach bewusstes Atmen
Diese Momente sind keine Zeitverschwendung. Sie sind deine Energietankstellen durch die Weihnachtszeit.

💝 Pacing für Weihnachten: Dein konkreter Fahrplan
- Schreibe alle Weihnachtsaktivitäten auf (Feiern, Besuche, Märkte, Kochen, etc.)
- Markiere die Pflichttermine (Was MUSS wirklich sein?)
- Plane nach jedem größeren Event einen Ruhetag ein (Ohne Ausnahme!)
- Reduziere auf das Wesentliche (Welche Tradition ist dir wirklich wichtig?)
- Kommuniziere deine Grenzen frühzeitig (Besser jetzt als im Dezember)
Die 50%-Regel für Weihnachten: Plane nur 50% deiner verfügbaren Energie für Weihnachtsaktivitäten ein. Die anderen 50% brauchst du für den Alltag, der ja trotzdem weiterläuft!
☕️ Die kleine Auszeit
Nimm dir jetzt 5 Minuten und überlege: Was ist dir zu Weihnachten wirklich wichtig? Nicht, was wichtig sein sollte. Was dir wichtig ist. Schreibe maximal drei Dinge auf – das ist dein Weihnachts-Fokus.
🎄 Praktische Umsetzung
✓ Diese Woche: Kalender checken und strategische Ruhetage für Dezember einplanen
✓ Bis Ende November: Geschenke-Liste erstellen und erste Besorgungen machen
✓ Anfang Dezember: Gespräche mit Familie führen über Weihnachtspläne
✓ Den ganzen Dezember: Nach der 50%-Regel leben und Mini-Auszeiten einbauen
Und denk dran: Es ist völlig okay, Weihnachten in deinem eigenen Tempo zu feiern. Die schönsten Weihnachten sind die, bei denen du am 25. Dezember nicht völlig erschöpft aufwachst, sondern dich freust, dass du die Feiertage so gestalten konntest, wie es für dich passt.
Apropos Weihnachten, mittlerweile habe ich zwölf kleine Weihnachtsbücher veröffentlicht – dieses Jahr sind drei neue dazugekommen, darunter eins in Großschrift für Senioren. Eine Übersicht findest du hier: https://www.julia-stueber.de/meine-weihnachtsbuecher/
Über die Autorin
Julia Stüber schreibt in ihrem Blog chronisch optimistisch über sanfte Selbstfürsorge, kleine Pausen im Alltag und Gedanken, die auch an schweren Tagen leicht genug sind.Als chronisch kranke Autorin teilt sie ruhige Impulse, kreative Mini-Ideen und das, was ihr selbst hilft, achtsam und freundlich mit sich zu bleiben..
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