Slowpublishing – im Schneckentempo, aber mit Herz.

Warum ich Selfpublishing bzw. Slow Publishing liebe – und dabei bleibe

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich meine Bücher im Selfpublishing veröffentliche. Ob ich es nicht schade finde, nicht in einem großen Verlag zu erscheinen. Ob das nicht viel Arbeit ist. Und ob ich mir das nicht einfacher machen könnte.

Ganz ehrlich: Nein. Ich könnte es mir nicht einfacher machen – aber ich könnte es mir fremder machen. Und das will ich nicht.

Bücherliebe – von Anfang an

Ich liebe Bücher. Diese Liebe ist nicht neu und nicht zufällig. Ich habe Germanistik studiert, mich mit Mittelhochdeutsch gequält (und es heimlich geliebt), bin stundenlang durch Antiquariate geschlichen und habe in meiner Studienzeit sogar im Gutenberg-Museum ehrfürchtig die Anfänge des Buchdrucks bestaunt.

Nach dem Studium habe ich ein Praktikum im Verlag gemacht, später auch dort gearbeitet – damals noch in Bonn. Und so spannend der Einblick in den klassischen Verlagsalltag auch war, so klar wurde mir: Diese Welt ist durchgetaktet. Es geht um Programme, Deadlines, Zielgruppenanalysen. Und oft nicht um die Bücher, die man selbst gerne machen würde.

Warum Selfpublishing?

Der Schritt zum Selfpublishing war für mich wie eine Heimkehr. Plötzlich durfte ich Bücher gestalten, die ich selbst gern im Regal hätte. Ohne Genehmigung. Ohne Kompromisse. Ohne Deadlines, die meine Gesundheit ignorieren.

Denn was viele nicht sehen: Ich lebe mit einer chronischen Erkrankung, die meine Energie limitiert. Und genau deshalb ist Selfpublishing für mich der beste Weg. Ich kann Bücher veröffentlichen, wenn ich die Kraft dazu habe. Nicht, wenn ein Verlag es gerade einplant. Ich kann ein Projekt auch mal drei Monate ruhen lassen – und dann voller Freude weitermachen. Kein Druck. Kein schlechtes Gewissen. Nur mein eigenes Tempo.

Ich nenne das liebevoll Slow Publishing – bewusstes, langsames Veröffentlichen. Nicht, weil ich faul bin. Sondern weil ich weiß, dass Qualität nicht im Stress entsteht. Und weil ich mir erlaube, meine kreative Arbeit an meine Realität anzupassen – und nicht umgekehrt.

Slowpublishing – im Schneckentempo, aber mit Herz.

Kreative Freiheit inklusive

Selfpublishing bedeutet für mich auch: Ich darf die Bücher machen, die mir wirklich wichtig sind. Ob das ein Notenbuch für meine geliebte Metallsaitenharfe ist, ein kreatives Journal für Menschen mit ME/CFS oder ein Adventskalender mit sanften Impulsen für eine stressfreie Weihnachtszeit – all das könnte ich einem klassischen Verlag kaum „verkaufen“. Aber ich kann es umsetzen. Jetzt. Ohne zu fragen.

Und ich muss keine Kartons voller Bücher stapeln – meine Bücher werden umweltfreundlich nur dann gedruckt, wenn jemand sie bestellt. Kein Lager, kein Verschnitt, kein Überfluss. Auch das fühlt sich für mich richtig an.

Die Kehrseite? Natürlich gibt es eine.

Selfpublishing bedeutet auch: Ich bin für alles verantwortlich. Korrektorat, Buchsatz, Covergestaltung, Klappentexte, Metadaten, ISBN, Marketing. Alles. Das kann anstrengend sein – aber es ist auch unglaublich erfüllend.

Zum Glück bringe ich aus meiner Zeit im Webdesign grundlegende Kenntnisse mit, was Layout, Typografie und Gestaltung betrifft. Ich arbeite nicht mehr mit Photoshop, aber es gibt heute so viele wunderbare Tools, mit denen man kreativ arbeiten kann, dass ich mich immer noch austoben kann. (Und wenn ich mal an meine Grenzen komme, weiß ich, wen ich fragen kann.)

Und was ist mit Verlagen?

Würde ich mich über ein Verlagsangebot freuen? Natürlich. Vor allem für meine Urban Fantasy-Reihe, deren erster Teil gerade erschienen ist – mehr erfährst du dazu hier! Aber ich werde nicht aktiv suchen, keine Manuskripte herumschicken, keine Absagen sammeln.

Wenn ein Verlag kommt und sagt: „Wir lieben deine Arbeit – lass uns gemeinsam was draus machen“, bin ich offen. Aber bis dahin gehe ich meinen Weg. Mit der Schnecke als Symbol: langsam, aber stetig. Mit Liebe zum Detail. Und mit viel Herzblut.

Denn das ist für mich das Schönste am Selfpublishing:

Ich veröffentliche Bücher, weil ich sie liebe.
Nicht, weil ich muss.


Über die Autorin

Julia Stüber ist zertifizierte Health & Wellness Coach (CPD), Ernährungsberaterin und Autorin. Mit über 15 Jahren Erfahrung schreibt sie über chronische Erkrankungen, Ernährung, Selbstfürsorge und kreative Bewältigungsstrategien. Als selbst Betroffene von ME/CFS und Zöliakie verbindet sie persönliche Erfahrung mit fundiertem Fachwissen.
Mehr über Julia erfahren | Newsletter abonnieren

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert