Warum ich keine Jahrespläne mehr mache

Warum ich keine Jahrespläne mehr mache

Der Januar ist die Zeit der großen Pläne. Überall werden Ziele gesteckt, Vorsätze gefasst, Vision Boards gebastelt. Zwölf Monate liegen vor uns wie ein leeres Notizbuch, bereit, beschrieben zu werden.

Früher habe ich das auch gemacht. Ich habe Listen geschrieben. Projekte geplant. Meilensteine gesetzt. Und dann kam Februar, und mein Körper hatte andere Pläne.

Mit ME/CFS, Zöliakie und all den anderen Begleitern, die zu meinem Alltag gehören, funktionieren Jahrespläne einfach nicht. Nicht, weil ich undiszipliniert bin. Sondern weil mein Körper unberechenbar ist.

Ein Jahr ist zu lang. Zu viele Variablen. Zu viele Tage, an denen etwas schiefgehen kann. Zu viele Momente, in denen ich mich dann als gescheitert fühle, obwohl ich einfach nur krank war.

Irgendwann habe ich aufgehört, mir das anzutun.

Stattdessen plane ich in Dreimonatsblöcken.

Drei Monate sind überschaubar. Ich kann das Wetter einschätzen, die Jahreszeit, meine ungefähre Energielage. Ich kann ein, zwei Projekte fokussieren, ohne mich zu verzetteln.

Und wenn etwas schiefgeht – wie jetzt gerade, mit dem Asthma – dann ist es nicht gleich das ganze Jahr im Eimer. Es ist nur dieser Block. Der nächste kommt.

in Dreimonatsblöcken planen

Wie das gerade konkret aussieht:

Ich nehme mir jetzt, Anfang Januar, Zeit für die ersten drei Monate. Ich überlege:

  • Was ist realistisch?
  • Was will ich wirklich?
  • Was braucht gerade Aufmerksamkeit?

Für Januar bis März könnte das sein:

  • Ein Ratgeber fertigschreiben
  • Regelmäßig am Urban-Fantasy-Projekt arbeiten
  • Den Newsletter einmal im Monat verschicken

Nicht mehr. Nicht zehn Projekte. Nicht „und außerdem noch“. Sondern: Das hier. Mit Luft zum Atmen.

Was das verändert hat:

Ich fühle mich nicht mehr wie eine Versagerin, wenn ich einen Tag – oder eine Woche – ausfalle. Ich weiß: Es sind nur drei Monate. Ich kann anpassen. Ich kann neu planen.

Und am Ende der drei Monate schaue ich zurück, nicht auf ein ganzes Jahr voller verpasster Ziele, sondern auf einen überschaubaren Zeitraum, in dem ich gemacht habe, was möglich war.

Planung darf sich gut anfühlen.

Das habe ich gelernt. Planung ist kein Vertrag, den ich mit mir selbst abschließe und dann einhalten muss, egal was passiert. Planung ist ein Wegweiser. Eine Richtung. Etwas, das sich anpassen darf.

Gerade jetzt, wo ich mit Asthma auf dem Sofa liege, bin ich dankbar für diese Dreimonatsblöcke. Ich weiß: Wenn es im Januar nicht klappt, habe ich noch Februar und März. Und wenn der ganze Block schwierig wird, dann beginnt im April ein neuer.

Das nimmt den Druck. Und lässt mich trotzdem weitermachen.


Über die Autorin

Julia Stüber schreibt in ihrem Blog chronisch optimistisch über sanfte Selbstfürsorge, kleine Pausen im Alltag und Gedanken, die auch an schweren Tagen leicht genug sind.
Als chronisch kranke Autorin teilt sie ruhige Impulse, kreative Mini-Ideen und das, was ihr selbst hilft, achtsam und freundlich mit sich zu bleiben..
👉 Newsletter „chronisch optimistisch“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert