Zur Veröffentlichung von Neustart auf dem Teller habe ich mir selbst ein paar Fragen gestellt.
Nicht als Marketing-Gag, sondern weil dieses Buch anders entstanden ist, als ich es ursprünglich geplant hatte.
Vielleicht helfen diese Antworten dabei, einzuordnen, was dieses Buch ist – und was es bewusst nicht sein will.
Warum wolltest du dieses Buch ursprünglich ganz anders schreiben?
Als ich angefangen habe, hatte ich einen klaren Plan. Das Buch sollte stark an meinen früheren Udemy-Kurs angelehnt sein: mit vielen Übungen, klaren Schritten, einem Gefühl von „Du kannst etwas tun“. Ich wollte Menschen helfen, schneller wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.
Struktur geben. Handlungsoptionen.
Das war gut gemeint – aber irgendwann merkte ich:
So, wie ich das Buch gerade schreibe, stimmt es für mich nicht mehr.
Was hat sich verändert?
Ich habe gemerkt, dass ich selbst eine wachsende Abneigung gegen Heilsversprechen entwickelt habe. Auch gegen die leisen, gut verpackten.
Dieses implizite „Wenn du es richtig machst, wird es leichter“ fühlt sich für mich nicht mehr ehrlich an.
Nicht nach all den Jahren mit verschiedenen Diagnosen.
Nicht nach all den Phasen, in denen es eben nicht leichter wurde – egal, wie sehr ich mich bemüht habe.
Mir wurde klar: Ich will kein Buch schreiben, das unbewusst Druck macht.
Kein Buch, das suggeriert, man müsse nur die richtigen Schritte gehen, um „besser damit klarzukommen“.
Was ist „Neustart auf dem Teller“ ganz bewusst nicht?
Es ist kein Ernährungsratgeber.
Es erklärt keine Diäten und verteilt keine Tipps, wie man „richtig“ isst.
Es ist kein Motivationsbuch.
Es verspricht keine Leichtigkeit, kein Happy End, kein „Du schaffst das schon“.
Und es ist kein Buch voller Erfolgsgeschichten.
Du findest hier keine Menschen, die „es geschafft haben“, sondern Situationen, Gefühle und Gedanken, die sich oft chaotisch, widersprüchlich und schwer anfühlen.
Für wen ist dieses Buch gedacht – und für wen nicht?
Dieses Buch ist für Menschen:
- die gerade eine Diagnose bekommen haben
- oder schon länger damit leben und trotzdem immer wieder an denselben Punkten hängen
- die müde sind vom Erklären, vom Optimieren, vom Funktionieren
Es ist nicht für Menschen, die schnelle Lösungen suchen.
Nicht für diejenigen, die klare Anleitungen wollen, wie man „das Thema abhakt“.
Und auch nicht für Menschen, die Trost nur in Optimismus finden.
Das ist keine Wertung – nur eine ehrliche Abgrenzung.
Warum erzählst du mehrere Diagnosen und keine lineare Geschichte?
Weil sich vieles ähnelt – auch wenn die Diagnosen unterschiedlich sind.
Der Schock.
Die Überforderung.
Dieses Gefühl, plötzlich im falschen Film zu sein.
Die mentale Last, die niemand sieht.
Mir ging es nicht darum, medizinisch korrekt jede Erkrankung zu erklären.
Sondern darum, das sichtbar zu machen, was sich erstaunlich oft gleicht, wenn Essen plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist.
Die Geschichten in diesem Buch stammen aus verschiedenen Phasen meines Lebens – und stehen stellvertretend für viele Varianten von
„Plötzlich geht Essen nicht mehr.“
Was wünschst du dir, dass Leser:innen beim Lesen spüren?
Vor allem eins:
Du bist nicht falsch.
Nicht zu empfindlich.
Nicht undankbar.
Nicht „noch nicht so weit“.
Ich wünsche mir, dass jemand ein Kapitel liest und denkt:
„Verdammt. Genau so fühlt es sich an.“
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
Was war dir beim Schreiben besonders wichtig?
Der Ton.
Kein Drängen.
Kein „Jetzt solltest du aber …“.
Kein Gefühl von Leistung.
Deshalb darf man Kapitel überspringen.
Zurückblättern.
Das Buch weglegen.
Oder einfach nur halten.
Dieses Buch funktioniert auch dann, wenn man nichts „damit macht“. Das zeigt sich auch in der Sprache des Buches.
Die Sprache wirkt an manchen Stellen fast wie ein modernes Gedicht. War das Absicht?
Ja. Aber nicht aus literarischem Ehrgeiz.
Ich habe lange versucht, diese Texte „ordentlicher“ zu machen.
Mehr Prosa. Mehr Erklärung. Mehr Zusammenhang.
Und jedes Mal wurde es falscher.
Diese Sprache ist so entstanden, wie sich die Situationen anfühlen:
abgehackt, wiederholend, manchmal kreisend, manchmal ganz still.
Wenn der Kopf voll ist, denkt man nicht in schönen Absätzen.
Man denkt in Fragmenten.
Ich habe Gedichte immer so geschrieben –
und gemerkt, dass genau diese Form hier ehrlicher ist als jede glatte Erzählung.
Hast du das Buch mit KI geschrieben?
Ich habe mit KI gearbeitet – nicht, um Inhalte zu ersetzen, sondern um sie möglich zu machen. Als ich merkte, dass ich die Inhalte aus dem Udemy-Kurs so nicht mehr übernehmen wollte, habe ich über mehrere Abende lang intensiv mit ChatGPT und Claude daran gearbeitet.
Ohne diese KI wäre das Buch vermutlich erst viel später fertig geworden und hätte nicht diese Klarheit.
Die Gedanken, die Haltung, die Sprache – all das ist meins.
KI hat mir geholfen, mit meinen begrenzten Ressourcen trotzdem ein gutes Buch zu schreiben.
Auf den ersten Blick wirkt „Neustart auf dem Teller“ wie ein Widerspruch zu deinem Buch „chronisch optimistisch“. Ist es das?
Nein. Aber ich verstehe sehr gut, warum es so wirken kann.
Chronisch optimistisch ist aus einer späteren Phase entstanden.
Aus einem Moment, in dem ich gemerkt habe: Optimismus muss nichts mit Schönreden zu tun haben.
Er kann leise sein. Ironisch. Manchmal sogar trotzig.
Neustart auf dem Teller steht zeitlich davor.
Es lebt im Schock, in der Überforderung, in dem Moment, in dem noch nichts eingeordnet ist.
In dieser Phase ist Optimismus oft kein Trost, sondern zusätzlicher Druck.
Beide Bücher widersprechen sich nicht –
sie sprechen aus unterschiedlichen Zuständen heraus.
Das eine sagt:
„Du darfst dich sortieren, ohne Hoffnung haben zu müssen.“
Das andere sagt:
„Du darfst Hoffnung haben, ohne dir etwas schönzureden.“
Und beides darf gleichzeitig wahr sein.
Wann ist dieses Buch für dich erfolgreich?
Nicht, wenn es besonders gut verkauft wird.
Nicht, wenn jemand sagt: „Das hat mein Leben verändert.“
Sondern wenn jemand spürt:
- Ich muss hier nichts leisten.
- Ich darf müde sein.
- Ich darf widersprüchlich sein.
Wenn dieses Buch in einem einzigen Moment ein kleines bisschen Halt gibt –
dann war es genug.
„Neustart auf dem Teller“ ist kein Buch über Heilung.
Es ist ein Buch über Zurechtfinden.
In einer Realität, die man sich nicht ausgesucht hat.
„Neustart auf dem Teller“ ist als E-Book und Taschenbuch bei Amazon erhältlich (Affiliate Link) sowie überall dort als E-Book, wo es digitale Bücher gibt. Das Taschenbuch wird in Kürze auch im Buchhandel bestellbar sein.
Entstanden in Zusammenarbeit mit ChatGPT.
